Darmstädter Echo vom 01.11.2016

Drei Rodgauer Firmengründer in der TV-Show "Die Höhle der Löwen"
Von Achim Preu

SÜDHESSEN - Heute um 20.15 Uhr ist es soweit - dann wagen sich drei Firmengründer aus der Region in die "Höhle der Löwen", wie das entsprechende Format des TV-Senders Vox heißt. Das zieht in seiner dritten Staffel nicht nur über 3,3 Millionen Zuschauer in den Bann, sondern passt exakt in eine Zeit, in der Start-ups fast überall eine Rolle spielen.

Sogar Studenten der Technischen Universität Darmstadt haben sich im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bereits mit einer Bewertung von bei Vox präsentierter Geschäftsmodelle befassen müssen, so Professorin Carolin Bock, die sich mit Gründungsmanagement befasst.

Nikias Karner (34) nennt als Grund, sich mit der Idee Vermietung und Betreuung von Casinotischen den Investoren zu stellen, vor allem das Thema "Publicity". Dass auf diesem Weg über Nacht Millionenumsätze generiert werden können, dafür gibt es Beispiele anderer Gründer, die mit Suppen in Gläsern, einer glutenfreien Pizza oder einer "Abfluss-Fee" erfolgreich sind.

Aber natürlich geht es auch darum, an frisches Kapital für das Unternehmen "Casino4Home" zu kommen. Schließlich sitzen Schwergewichte wie Milliardär Carsten Maschmeyer - er verkaufte seine Firma AWD einst an Swiss Life - Ralf Dümmel, Frank Thelen, Judith Williams und Jochen Schweizer auf dem Podium.

Letzterer, ein erfolgreicher Verkäufer von Erlebnisgutscheinen, der auch eine Event-Agentur betreibt, ist der Wunschpartner der drei: Lufthansa-Flugbegleiter Nikias Karner (34), Bruder Jorin (30), der einen Amazon-Handel hat, sowie Andy Sanders (34), der als Hochzeitsfotograf arbeitet. Ihr konkretes Angebot: 50 000 Euro für zehn Prozent der Anteile, was einer Firmenbewertung von 500 000 Euro entspricht.

Das sei gecheckt und fair, so Nikias Karner. Denn die Gründer - seit Jahren auch als Veranstalter von Poker-Turnieren aktiv - kommen bei 150 Veranstaltungen 2016 den Angaben zufolge auf etwa 160 000 Euro Umsatz nach rund 120 000 Euro im Jahr 2015. Und dabei soll es nicht bleiben.

Dafür soll das Geschäft mit Klassikern, die man aus dem Casino kennt - wie Roulette und einarmigen Banditen - sowie ausgefallenen Spielen wie der Poker-Variante Tropical Stud oder dem Würfelspiel Craps auch jenseits der Grenzen angeboten werden. 2017 wollen die Unternehmer in Österreich und der Schweiz starten.

Doch dazu braucht es mehr Spieltische (derzeit 50), weitere Transporter (derzeit einer mit Anhänger) und zusätzliche Mitarbeiter (derzeit 25 Nebenberufler). Denn "wir platzen aus allen Nähten", so Nikias Karner. Bislang wurde alles aus dem Cash Flow finanziert. Von Anfang an hat man Geld verdient mit einer Idee, die eigentlich von einem Pokerturnier-Teilnehmer stammt: "Verleiht ihr auch Tische?", wollte dieser einmal wissen. Und wenig später taten sie das.

Auf das Angebot greifen heute bis zu 90 Prozent Firmen bei Weihnachtsfeiern oder im Rahmen von Produktpräsentationen zurück. Darunter finden sich Namen wie Brass, Lidl, Rewe, Lufthansa oder das Martim-Hotel. Private Nachfrage kommt durch Hochzeitsfeiern, Geburtstage und Junggesellen-Abschiede zustande.

Ein Alleinstellungsmerkmal, wie die "Löwen" stets wissen wollen, gibt es nicht. Und auf Qualität könnten die hierzulande zwei, drei größeren Wettbewerber ebenfalls verweisen, so Nikias Karner realistisch. Also gilt es als Unternehmerpersönlichkeit zu punkten.

Mit Freunden, Mitarbeitern und Familie soll die Sendung auf einer Leinwand angesehen werden - dazu wurde die Sporthalle der TG Hainhausen angemietet. Und die Homepage wurde auf 20 Server geschaltet, weil erfahrungsgemäß nach einer solchen Sendung die Systeme in die Knie gehen.

Dass es überhaupt soweit kommen kann, ist einem Zufall geschuldet. Denn die erste Bewerbung bei Vox fiel durch. Dann traf Nikias Karner auf einem Flug nach Los Angeles eine ehemalige Mitschülerin, die inzwischen als Producerin in der "Höhle der Löwen" arbeitet. Sie ermunterte ihn, sich erneut zu bewerben. Mit Erfolg. Doppeltem Erfolg?